Gewisse Projekte entwickeln manchmal unverhofft eine Eigendynamik, so unsere jahrzehntelangen Pflegemassnahmen im Schutzgebiet „Risi“. Dort war im Herbst 2013 eine Delegation des Vereins „Schmetterlingsförderung im Kanton Zürich“ (http://www.schmetterlingsförderung.ch) zugegen. Dieser Verein hat sich zum Ziel gesetzt, seltene und bedrohte Schmetterlingsarten im Kanton Zürich zu fördern. Dazu werden Lebensräume aufgewertet und faunengerecht bewirtschaftet, die Strukturvielfalt gefördert und ökologisch wertvolle Gebiete vernetzt. Ist ein Gebiet optimal vorbereitet und geeignet, werden auch ehemals heimische Tagfalterarten wieder angesiedelt.Die Delegation hat einhellig befunden, dass sich die Risi als Lebensraum für die Zielarten Coridon-Bläuling und Brombeer-Zipfelfalter eignen würde.

 

Der Verein will dafür erhebliche finanzielle Mittel für Aufwertungsmassnahmen bereitstellen. Insbesondere soll die Lichte-Wald-Fläche auf den gesamten Schutzgebietsperimeter ausgedehnt werden. Randlich soll versucht werden, weitere Teilflächen dazuzugewinnen. Renè Bertiller* hat dem Verein „Schmetterlinsförderung“ einen Projektvorschlag eingereicht, der inzwischen im Wesentlichen akzeptiert wurde. Die Planung erstreckt sich auf die nächsten 5 Jahre. Inzwischen wurden bereits zwei zusätzliche Teilfächen innerhalb der Schutzperimeters ausgelichtet. Eine weitere Teilfläche im Besitz der Gemeinde Dachsen, südlich des SBB-Trasses wurde ebenfalls entbuscht und aufgeräumt. Die Arbeiten erfolgten durch die Gruppe Bertiller*. Unserem Verein entstehen zumindest für die nächsten Jahre keine weiteren Verpflichtungen, da der Unterhalt durch den Verein Schmetterlingsförderung“ übernommen wird. Der Fachstelle Naturschutz kommt dieses Vorhaben natürlich sehr gelegen; das Schutzgebiet wird auf Kosten einer privaten Institution erheblich vergrössert!

 

 

*René Bertiller ist freierwerbender Forstingenieur aus Winterthur, der sich mit Natur- und Artenschutz sowie Waldplanung beschäftigt. Er betreut im Auftrag des Kantons u.a. in den Gemeinden Dachsen, Benken und Uhwiesen die kantonalen Naturschutzgebiete und organisiert deren Pflege und Aufwertung mit den verschiedenen Partnern. Zudem koordiniert er das Projekt Lichter Wald im Kanton Zürich für die Fachstelle Naturschutz. Daneben züchtet er seltene einheimische Wildrosen und pflegt einzelne Naturschutzgebiete aktiv mit. Bei den Unterhaltsarbeiten in den Schutzgebieten Dachsen besteht eine intensive Zusammenarbeit mit Mitarbeitenden der Firma Grünwerk AG und unserem Präsidium. 

1. Lage

Der Trockenstandort „Usser Rhihalden“ ist eines von drei kantonalen Naturschutzgebieten in Dachsen. Es umfasst den bewaldeten, 1.25 km langen und 30-50 m breiten Rheinabhang von der Gemeindegrenze zu Uhwiesen bis unterhalb des Strandbades in der Bachdelle.

An der Hangkante bildet der Rhywanderweg die obere Schutzgebietsgrenze. Bei der Bachdelle wird der Hang vom Mühlibach durchschnitten, die rechte Hangseite gehört ebenfalls zum Schutzgebiet.

Eigentümerin des Gebietes ist grösstenteils die Gemeide Dachsen. Ein ca. 15m breiter Uferstreifen gehört dem Elektrizitätswerk Rheinau und eine 10 Aren grosse Fläche mit dem Bunker gehört der Schweizerischen Eidgenossenschaft.













 

 


2. Standortsbedingungen

Der 360-385 m ü. M. gelegende Hang hat etwa 35 Grad Gefälle. Der Untergrund besteht aus Schotter, der mit sehr wenig Feinerde bedeckt ist. Rutschungen brachten stets wieder offenen Rohboden an die Oberfläche. Die Rheinufer wurden beim Bau des Kraftwerkes Rheinau mit Kalkbruchsteinen befestigt, dahinter wurde der Rheinuferweg angelegt. Seither werden keine Rutschungen mehr durch Unterspülung des Ufers ausgelöst, d.h. die natürliche Dynamik wurde eingeschränkt.

Im Weinland fallen relativ wenig Niederschläge, gegen 900 mm/Jahr. Ein grosser Teil des Regens geht den Pflanzen durch oberflächlichen Abfluss an den steilen Hängen sowie durch Versickerung in den durchlässigen Untergrund verloren. Die Rheinhalde ist also ein warmer, sehr trockener und nährstoffarmer Lebensraum, der von einer speziellen Flora besiedelt wird.

















3. Schutz

Die Rheinhalde ist Teil einer Landschaft von nationaler Bedeutung (BLN-Objekt 1411). Am 21. November 1988 wurde sie als Naturschutzgebiet von überkommunaler Bedeutung unter kantonalen Schutz gestellt.

Die hervorragende Bedeutung der Rheinhalde war aber schon früher bekannt. Auf Anregung des Oberforstamtes Zürich stellte die Gemeinde Dachsen durch Vertrag vom 29. Sept. 1928 der kantonale Natur- und Heimatschutzkommision ein 90 Aren grosses Küchenschellen-Schongebiet für 25 Jahre unentgeldlich zur Verfügung.

Das Schutzgebiet zog sich oberhalb der Bachdelle hinauf bis zum Lachshüttenweg und umfasste den Geissklee-Föhrenwald. Es war damals von Küchenschellen übersät. KUMMER (1934) zählte auf einer 4 m2 grossen, besonders reichhaltigen Stelle über 100 Blütenglocken.

















4. Nutzung

An der Rheinhalde wurden während Jahrhunderten Föhren gehegt und gehauen. Alte und gesunde Föhrenstämme dienten als Wasserleitungsrohre  (sog. Tüchel) und ausserdem als Röhren für Güllenpumpen, die damals ganz aus Holz waren. Die in Stücke von 10 Fuss Länge geschnittenen Stämme wurden auf einem Gerüst, dem sog. Nepper, ausgebohrt und in Tüchelroossen, eine lag beim Schloss Laufen, gewässert und vor Gebrauch mit handbreiten, eisernen Tüchelzwingen zusammengefügt. Die herausgebohrten, inneren Zapfen wurden mancherorts zusammen mit Lavendel zum Schutz gegen Motten in Kleiderkästen gelegt.

Die Föhren waren so hoch geschätzt, dass die Obrigkeit Vorschriften zu ihrem Schutz erliess. So hat am 16. Juni 1511 der Rat Zürich entschieden, dass der Vogtherr auf Laufen wie auch die Gemeinde Dachsen das Recht hatten, zu jeder Zeit Tüchel für ihre Brunnen nach Bedürfnis an der Rheinhalde hauen zu lassen. Es durfte aber kein Holz verkauft oder verschenkt werden.

Zweifellos hat die Gemeinde Dachsen ihren Föhrenwald an der Rheinhalde stets in guter Obhut gehalten, damit immer genügend schöne, alte Stämme für die Wasserleitungsrohre zur Verfügung standen.

Das Holz wurde bis 1950 noch genutzt. Danach wurden Bestandeslücken teilweise aufgeforstet, z.B. am Mülibachabhang 1952 mit Spitzahorn und die Durchforstung allmählich eingestellt. Hauptverantwortlich für die Nutzungsaufgabe war die abnehmende wirtschaftliche Bedeutung. Beim Bunker haben die im 2. Weltkrieg errichteten Stacheldrahtverhaue die Nutzung verhindert. Das 90 Aren grosse ehemalige Küchenschellen-Schongebiet an der botanisch besten Stelle der Rheinhalde wurde wahrscheinlich auch deshalb nicht mehr bewirtschaftet, weil der Stacheldrahtzaun als psychologische Barriere wirkte und man die Natur im Reservat sich selbst überlassen wollte.





5. Pflege

Erst im Jahre 1988 und 1989 wurde die Rheinhalde aus Naturschutzgründen wieder durchforstet. Der Naturschutzverein Dachsen entfernte im Frühling 1988 einen grossen, massiven Stacheldrahtverhau, der als Infanteriehindernis im 2. Weltkrieg angelegt worden war, in einer arbeitsintensiven Aktion (3.5 t Eisen in 450 Arbeitsstunden). In den beiden darauffolgenden Wintern wurden dann 20 Aren Wald von freiwilligem Helfern entbuscht und von der Arbeitsequippe des Gemeindeförsters durchforstet. Ein weiteres 5 Aren grosses Stück 80 m südlich des Lachshüttenweges wurde 1989 entbuscht, aber bisher noch nicht durchforstet.

1. Lage

Eines der drei kantonalen Naturschutzgebiete von überkommunaler Bedeutung auf Gemeindegebiet Dachsen ist die Risi. Dieser 1,5 ha grosse Trockenstandort gehört der Gemeinde Dachsen. Es ist nach aussen gut abgeschirmt. Das Schutzgebiet umfasst die locker bewaldete, ehemalige Kiesgrube und das nördlich anschliessende Waldstück. 

Die Schutzgebietsgrenzen werden im Westen von der Bahnlinie Schaffhausen-Winterthur, im Osten von der Hangkante und im Süden von der Gemeindegrenze zu Rheinau gebildet.















 


2. Standortsbedingungen

Für die Vegetation ist die Risi ein trockener und warmer Lebensraum. Der lichte Pionier-Föhrenwald und die lückige Strauchschicht lassen eine reiche Krautschicht zu.











 


3. Entstehung

Die Risi diente während der Baus der 1878 eröffneten Eisenbahnlinie Winterthur - Schaffhausen zur Kiesgewinnung. So besteht der Eisenbahndamm über den Mühlibach aus Material, welches aus dieser Grube gewonnen wurde. 

Von den Steilhängen "rieselten" Steine und Sand herunter. In der Folge erhielt das Gebiet den Flurnamen "Risi". Seit der Kiesgewinnung vor über 120 Jahren wurde das Gebiet nicht mehr bewirtschaftet. In der heissen und trockenen, anfangs völlig vegetationslosen Grube begann die Rückeroberung durch die Natur, die sogenannte Sukzession. Nach ersten Pionierpflanzen wie Huflattich, Königskerze, verschiedenen Knötericharten setzten sich erste Sträucher fest. 






4. Pflege

Naturschutzgebiete sind heute isolierte Räume, die einer sinnvollen Pflege bedürfen, sonst verlieren sie ihre Bedeutung, weil sich zuerst Büsche und dann Wald ausbreitet; d.h. einige wenige Pflanzenarten beginnen bei mangelnder Pflege zu dominieren und verdrängen weniger konkurrenzstarke Pflanzen. Der Lebensraum wird eintöniger und verliert seine Artenvielfalt.

Im Fall der Risi würden Buche, Hagenbuche und Eiche die Föhren langsam verdrängen. Dies wäre wahrscheinlich das Ende der Sukzession und ein stabiler Zustand würde sich einstellen. Nach reicher Humusbildung durch fallendes Laub und Schattenbildung durch Kronenschluss wäre die artenreiche Krautschicht mit ihren vielen Orchideen für immer verloren.

Lebensräume wie der Föhren-Orchideenwald Risi sind sehr selten und es werden davon immer weniger. Es gilt deshalb diesen Lebensraum zu erhalten. Die Entwicklung muss durch bestimmte Eingriffe gestoppt, und dieses Pflanzenbiotop durch wiederkehrende Pflegemassnahmen erhalten werden.






5. Schutzziele und Massnahmen

In der kantonalen Schutzverordnung von 1988 wird die umfassende und ungeschmälerte Erhaltung dieses Gebiets als Lebensraum seltener und geschützter Tier- und Pflanzenarten gefordert.

1. Priorität hat die Kiesgrube mit der Erhaltung und Förderung der seltenen und gefährdeten Krautpflanzen. 
In der Grube ist deshalb ein lichter Föhrenwald mit sonnigen Lichtungen anzustreben. Eine lückige Strauchschicht mit z.T. seltenen Arten soll gefördert werden (Geissklee, Elsbeere, Flügelginster, Mehlbeere, Ber-beritze, und hie und da Exem-plare aller anderen Arten). Buchen und Fichten sollen entfernt werden.
Im Winter 1991 wurde der Grubenboden vom Förster durchforstet; im Winter 1992 der Abhang. Seit 1991 entbuscht der NVD jährlich die ganze Kiesgrube.


2. Priorität geniesst der Hangwald nördlich der Grube. 
Der Wald am Hang nördlich der Grube ist ein wechselfeuchter Weissseggen-Buchenwald. Auf dem 100m langen, an die Grube anschliessenden Steilhang sind Traubeneiche, Föhre und Hagebuche stark vertreten, vereinzelt ist der Elsbeerbaum vorhanden. Nordwärts, am weniger steilen Hang wird die Buche häufiger, die Strauchschicht lückiger und die Krautschicht ärmer.
Die Baumbestände sind dicht und geschlossen, so dass die seltenen licht- und wärmeliebenden Krautarten nur vereinzelt auftreten, z.B. Immenblatt. Bei starker Auslichtung könnten sich hier das Langblättrige Waldvögelein, das Rote Waldvögelein, Echter Salomonssiegel und weitere seltene Arten ausbreiten.
Hier ist ein lichter, lockerer, standortsheimischer Wald mit einem Kronenschluss von max. 50% anzustreben. Das Ziel wären lichte, ungleich altrige Baumbestände. Besonders Eiche und Föhre sollen gefördert werden; Buchen sollen herausgehauen werden.
Der ca. 80m lange Steilhang nördlich der Grube sollten in den nächsten Jahren durchforstet werden.


3. Priorität hat die Terasse oberhalb der Grube und der Bereich der Bahnlinie. An der Bahnböschung wachsen trockene, magere Wiesen und verschiedene Verbuschungsstadien. Die häufige Durchforstung im Bereich der Bahnlinie durch den SBB-Unterhalt ist aus der Sicht des Naturschutzes positiv zu bewerten. Dabei sollten aber künftig die seltenen Straucharten, insbesondere Geissklee und Elsbeere geschont werden. Das gehäckselte Material soll nicht im Gebiet, sondern ausserhalb deponiert werden, damit sich möglichst wenig Humus und Nährstoffe ansammeln.



 


6. Gefährdung

Ausbau der SBB

Das Gebiet bei der Risi ist für den Bau eines zusätzlichen Bahngleises vorgemerkt. Dies hätte einen empfindlichen Flächenverlust zur Folge. Ein konkretes Projekt scheint noch nicht zu existieren.

Erholung

Gefahr drohte der Risi früher durch menschliche Eingriffe. Während der Waldzusammenlegung "Weinland Nord" konnte der Bau eines Maschinenweges zur waldbaulichen Erschliessung der Risi nur durch die Intervention des NVD verhindert werden. Der erleichterte Zugang hätte zweifellos Töfflifahrer zu Motocrossrennen in der alten Kiesgrube animiert, was ebenfalls das Ende des Pflanzenbiotopes zur Folge gehabt hätte.
Der Erholungsbetrieb muss im Auge behalten werden, da die Krautschicht trittempfindlich ist.

Bewirtschaftung
Die Beschattung durch Föhren liegt bei einigen Arten (z.B. Küchenschelle, Rosmarin-Weidenröschen) an der oberen Grenze.

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