1. Lage

Der Trockenstandort „Usser Rhihalden“ ist eines von drei kantonalen Naturschutzgebieten in Dachsen. Es umfasst den bewaldeten, 1.25 km langen und 30-50 m breiten Rheinabhang von der Gemeindegrenze zu Uhwiesen bis unterhalb des Strandbades in der Bachdelle.

An der Hangkante bildet der Rhywanderweg die obere Schutzgebietsgrenze. Bei der Bachdelle wird der Hang vom Mühlibach durchschnitten, die rechte Hangseite gehört ebenfalls zum Schutzgebiet.

Eigentümerin des Gebietes ist grösstenteils die Gemeide Dachsen. Ein ca. 15m breiter Uferstreifen gehört dem Elektrizitätswerk Rheinau und eine 10 Aren grosse Fläche mit dem Bunker gehört der Schweizerischen Eidgenossenschaft.













 

 


2. Standortsbedingungen

Der 360-385 m ü. M. gelegende Hang hat etwa 35 Grad Gefälle. Der Untergrund besteht aus Schotter, der mit sehr wenig Feinerde bedeckt ist. Rutschungen brachten stets wieder offenen Rohboden an die Oberfläche. Die Rheinufer wurden beim Bau des Kraftwerkes Rheinau mit Kalkbruchsteinen befestigt, dahinter wurde der Rheinuferweg angelegt. Seither werden keine Rutschungen mehr durch Unterspülung des Ufers ausgelöst, d.h. die natürliche Dynamik wurde eingeschränkt.

Im Weinland fallen relativ wenig Niederschläge, gegen 900 mm/Jahr. Ein grosser Teil des Regens geht den Pflanzen durch oberflächlichen Abfluss an den steilen Hängen sowie durch Versickerung in den durchlässigen Untergrund verloren. Die Rheinhalde ist also ein warmer, sehr trockener und nährstoffarmer Lebensraum, der von einer speziellen Flora besiedelt wird.

















3. Schutz

Die Rheinhalde ist Teil einer Landschaft von nationaler Bedeutung (BLN-Objekt 1411). Am 21. November 1988 wurde sie als Naturschutzgebiet von überkommunaler Bedeutung unter kantonalen Schutz gestellt.

Die hervorragende Bedeutung der Rheinhalde war aber schon früher bekannt. Auf Anregung des Oberforstamtes Zürich stellte die Gemeinde Dachsen durch Vertrag vom 29. Sept. 1928 der kantonale Natur- und Heimatschutzkommision ein 90 Aren grosses Küchenschellen-Schongebiet für 25 Jahre unentgeldlich zur Verfügung.

Das Schutzgebiet zog sich oberhalb der Bachdelle hinauf bis zum Lachshüttenweg und umfasste den Geissklee-Föhrenwald. Es war damals von Küchenschellen übersät. KUMMER (1934) zählte auf einer 4 m2 grossen, besonders reichhaltigen Stelle über 100 Blütenglocken.

















4. Nutzung

An der Rheinhalde wurden während Jahrhunderten Föhren gehegt und gehauen. Alte und gesunde Föhrenstämme dienten als Wasserleitungsrohre  (sog. Tüchel) und ausserdem als Röhren für Güllenpumpen, die damals ganz aus Holz waren. Die in Stücke von 10 Fuss Länge geschnittenen Stämme wurden auf einem Gerüst, dem sog. Nepper, ausgebohrt und in Tüchelroossen, eine lag beim Schloss Laufen, gewässert und vor Gebrauch mit handbreiten, eisernen Tüchelzwingen zusammengefügt. Die herausgebohrten, inneren Zapfen wurden mancherorts zusammen mit Lavendel zum Schutz gegen Motten in Kleiderkästen gelegt.

Die Föhren waren so hoch geschätzt, dass die Obrigkeit Vorschriften zu ihrem Schutz erliess. So hat am 16. Juni 1511 der Rat Zürich entschieden, dass der Vogtherr auf Laufen wie auch die Gemeinde Dachsen das Recht hatten, zu jeder Zeit Tüchel für ihre Brunnen nach Bedürfnis an der Rheinhalde hauen zu lassen. Es durfte aber kein Holz verkauft oder verschenkt werden.

Zweifellos hat die Gemeinde Dachsen ihren Föhrenwald an der Rheinhalde stets in guter Obhut gehalten, damit immer genügend schöne, alte Stämme für die Wasserleitungsrohre zur Verfügung standen.

Das Holz wurde bis 1950 noch genutzt. Danach wurden Bestandeslücken teilweise aufgeforstet, z.B. am Mülibachabhang 1952 mit Spitzahorn und die Durchforstung allmählich eingestellt. Hauptverantwortlich für die Nutzungsaufgabe war die abnehmende wirtschaftliche Bedeutung. Beim Bunker haben die im 2. Weltkrieg errichteten Stacheldrahtverhaue die Nutzung verhindert. Das 90 Aren grosse ehemalige Küchenschellen-Schongebiet an der botanisch besten Stelle der Rheinhalde wurde wahrscheinlich auch deshalb nicht mehr bewirtschaftet, weil der Stacheldrahtzaun als psychologische Barriere wirkte und man die Natur im Reservat sich selbst überlassen wollte.





5. Pflege

Erst im Jahre 1988 und 1989 wurde die Rheinhalde aus Naturschutzgründen wieder durchforstet. Der Naturschutzverein Dachsen entfernte im Frühling 1988 einen grossen, massiven Stacheldrahtverhau, der als Infanteriehindernis im 2. Weltkrieg angelegt worden war, in einer arbeitsintensiven Aktion (3.5 t Eisen in 450 Arbeitsstunden). In den beiden darauffolgenden Wintern wurden dann 20 Aren Wald von freiwilligem Helfern entbuscht und von der Arbeitsequippe des Gemeindeförsters durchforstet. Ein weiteres 5 Aren grosses Stück 80 m südlich des Lachshüttenweges wurde 1989 entbuscht, aber bisher noch nicht durchforstet.

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